Krimis
Straßenfest

Kriminalroman von Reinhard Junge
Dortmund 1998,
2. Auflage 1999
335 Seiten
8,90 Euro
(Grafit-Verlag)

Inhalt:

Bochum im September: In der City startet das jährliche Weinfest. Als einige Punker am selben Ort ein Happening inszenieren, schlägt die Polizei zu. Einer der Punks liegt am nächsten Morgen tot in einem Gebüsch in der Nähe seines Elternhauses, vor dem in der Nacht zuvor noch ein Straßenfest stattgefunden hat. Hauptkommissar Lohkamp, zur Disziplinierung nach Bochum abgeschoben, muss nun nicht nur in einer spießigen Eigenheimsiedlung ermitteln, sondern auch gegen seine eigenen Kollegen. Dabei wird er u.a. durch die Recherchen des Video-Teams PEGASUS gestört. Dessen jüngster Mitarbeiter Kalle Mager folgt dem Hauptverdächtigen sogar bis nach Middelburg im Süden der Niederlande ...


Tätersuche: Fotomontage von Martin Krok (Bad Hersfeld)
Kontakt:
MartinKrok@t-online.de

Rezensionen:


Straßenfest ist bereits der siebte Roman des Bochumer Lehrers Reinhard Junge, dessen "Ekel von Datteln" ihn im Ruhrgebiet auch als Schriftsteller unvergleichbar gemacht hat.
WDR, Dortmund

Die Handlung ist so spannend, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen mag.
EMSDETTENER VOLKSZEITUNG

Spannung, Satire und etliche Seitenhiebe gegen die Ellenbogengesellschaft der neunziger Jahre. Was Junge beschreibt, scheint jedoch keine Utopie zu sein, sondern die Wirklichkeit hinter den verschlossenen Türen von Verfassungsschutz und Polizei.
JUNGE WELT, Berlin

... eine spannende Tour de Ruhrpott.
WESTFÄLISCHE NACHRICHTEN

Der Schreiber dieser Zeilen hat die ersten 150 Seiten dieses Buches in einem Zug ohne Pause gelesen.
Peter Mohr, STADTSPIEGEL, Wattenscheid

Reinhard Junge mixt einen knallharten, aber süffisanten Gesellschafts-Cocktail ...
HELLWEGER ANZEIGER,

Junge. Junge.
RUHRNACHRICHTEN

Bis hin zur überraschenden Auflösung ist der Krimi witzig und spannend erzählt. Allein die Vielzahl der Charaktere mindert die Qualität.
Karsten Zipp, GIESSENER ANZEIGER

Reinhard Junges Straßenfest ist nicht bloß ein Roman aus dem Alltag, in dem sich viele wiederfinden dürften, sondern auch ein ordentlicher Krimi.
BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN

... ein neuer - wie immer vorzüglicher - Band der PEGASUS-Krimis.
PFORZHEIMER ZEITUNG

Von einem, der am Bonner Roulette gedreht und Das Ekel von Datteln gejagt hat, sollte man mehr erwarten können.
Jens Hapke, WAZ, Wattenscheid

... hält uns Reinhard Junge nicht selten den Spiegel vor das Gesicht. Urige und schräge Charaktere in der Handlung entpuppen sich bei genauem Hinsehen als typische Vertreter unserer Ruhrgebietskultur.
SÜDWEST-ZEITUNG, Dortmund


Recherche am PEGASUS-Schnittplatz - Fotomontage
von Martin Krok (Bad Hersfeld)


Leseprobe:
Eine halbe Minute später drang das PEGASUS-Trio auf das Kirchengelände vor und umkreiste die Pyramide der Andacht. Als Mager sich in einen üppigen Holunderbusch schob und vorsichtig einen Zweig zur Seite zog, stieg sein Herz wie ein Falke in die Luft: zehn, fünfzehn Meter vor ihm standen etliche Polizisten, grün und zivil, männlich und weiblich, und sahen zu, wie sich eine junge Frau über einen Körper beugte, der im Gras lag.
Er nickte, und Susanne beugte sich vor, um den tarnenden Trieb festzuhalten. Mager hievte die Kamera und ließ sie laufen. Wie durch einen Nebel hörte er die Stimme der jungen Frau: " ... fraktur durch Schlageinwirkung von schräg vorn. Vermutlich stumpfer Gegenstand. Außerdem Hämatome im Gesicht. Möglicherweise Schläge mit der Faust, ein paar Stunden vor dem Tod."
Sie öffnete die Kleidung. Etwas Helles, vielleicht ein Reißverschluss, blitzte auf. Hing an verwaschenem Stoff. Noch etwas blinkte. Eine Kette?
Als sie das Shirt vorsichtig anhob, begann die rote Warnlampe in der Optik zu blinken: der Akku!
Mühsam unterdrückte Mager einen Fluch: Komm, halte noch eine Minute aus!
"Weitere Hämatome. Gleiche Ausprägung wie die anderen, offenbar gleichzeitig entstanden. Mein Gott, die müssen auf ihm herumgesprungen sein!"
Jetzt winkte sie einen der Männer heran: "Helfen Sie mal! Ganz leicht anheben. Ich will sehen ..."
Braunes, verklebtes Haar, ein paar gelbe Strähnchen. Dann war der Saft weg.
"Akku!", flüsterte Mager. "Und 'ne neue Kassette!"
Während er die Kamera leise entlud und wieder schussbereit machte, gab es auf dem Parkplatz Bewegung: ein Motor summte heran und wurde abgestellt, Türen klappten. Dann schnelle Schritte und eine andere Frauenstimme: "Wenn Sie bitte ..."
Eilig verschloss Mager die Kamera und schulterte sie erneut. Ein schlanker Mann im Jogging-Dress, höchstens einsachtzig, das schüttere Haar verklebt, hatte sich vor den toten Körper gestellt und sah hinab. Sekunden der Stille. Keine Regung. Dann nickte er. Und ließ sich ohne Widerstand wegziehen.

"Schade", sagte Mager, als sie wieder den Kirchenvorplatz erreichten, "dass wir sein Gesicht nicht haben."
"Ist schon besser so", widersprach die Rote.
"Wieso das denn?"
Die Frauen blickten sich stumm an.
"Die Bilder sind gut. Aber das Gesicht wäre das Tüpfelchen auf dem i", beharrte Mager.
"Stell dir vor, da hätte Kalle gelegen", begann die Rote. "Und du hättest deinen Sohn identifizieren müssen."
Der Kameramann sah sie aufmerksam an.
"Das Gesicht, das du dabei machst - wolltest du dich so in der Glotze sehen?"

 
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