Krimis
Totes Kreuz
Kriminalroman von Reinhard Junge
Dortmund 1996
2. Auflage 1997
312 Seiten
8,90 Euro
(Grafit-Verlag)


Inhalt:

Panik beim Guten Deutschen Kreuz in Datteln: zwei Altenpflegerinnen werden brutal ermordet. Während Hauptkommissar Lohkamp den intriganten Gatten der Geschäftsführerin Marlene Tote ins Visier nimmt, taucht plötzlich das Dortmunder Video-Team PEGASUS auf: denn Kalle Mager, der Sohn des Kameramanns, leistet gerade beim Guten Kreuz Ersatzdienst. Zufrieden aber ist keiner mit ihm - weder sein Arbeitgeber noch sein Erzeuger.


Rezensionen:

Respektlos geschrieben, witzig, kritisch ...
WDR

Beklemmend ist Junges Buch, wenn er den real existierenden Zustand in der Altenpflege schildert. Da hofft nicht nur die ortsansässige GDK-Vorsitzende, daß das alles nicht wahr ist.
WAZ, Wattenscheid

Für Fans der Ekel-Romane dürfte auch diese Fortsetzung ein Muß sein.
MARLER ZEITUNG

... die langersehnte und spannende Krimi-Fortsetzung mit dem Altbürgermeister Roggenkemper und dem Videoteam PEGASUS. BÄCKERBLUME

Fesselnder Ruhrpott-Krimi.
'ran

Die "Ekel"-Erfolge mögen darin begründet sein, daß an Emscher und Lippe kein Leser den Autoren abnimmt, daß Ähnlichkeiten mit wirklich existierenden Personen rein zufällig sind.
KURIER ZUM SONNTAG, Oer-Erkenschwick

... eine spannend-bissige Spurensuche im Ruhrpott-Slang.
WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU, Sprockhövel

Trockener westfälischer Humor zieht sich durch die spannende Geschichte.
BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN

Die Abrechung mit den Praktiken in einer Sozialstation und in einem Altenpflegeheim ist gnadenlos.
PFORZHEIMER ZEITUNG

Leseprobe:
"Schön", sagte Marlene, "wirklich schön. Findest du nicht auch, Alfred?"
Fred Tote nickte.
"Es ist kaum zu glauben", schwärmte seine Gattin weiter, "aber in weniger als vierzehn Tagen werden die ersten alten Leutchen hier wohnen. Und wer hat das geschafft? Wir!"
"So ist es", bekräftigte Fred.
"Was meinst du? Haben wir auch wirklich alles richtig gemacht? Haben wir nichts vergessen? Manchmal fürchte ich ..."
Fred tätschelte sanft ihre Hand: "Du brauchst dich nicht zu fürchten. Du hast alles richtig gemacht. Wie immer."
Marlene Tote seufzte erleichtert, und Fred versuchte, durch einen sanften Druck gegen ihren Ellenbogen eine Kursänderung einzuleiten: zu Hause wartete die Flasche.
Aber Marlene widersetzte sich und steuerte auf die andere Straßenseite zu: sie wollte sich persönlich davon überzeugen, dass auch wirklich alles in Ordnung war. Mit forschen Schritten folgte sie dem sanft ansteigenden, stufenlosen Weg zum Haupteingang und rüttelte an der Glastür. Erleichtert stellte sie fest, dass das Haus ordnungsgemäß verschlossen war.
Dann schirmte sie ihr Gesicht mit den Händen ab und beugte sich so weit vor, dass ihre Nase die Scheibe berührte. Das Notlicht im Foyer war gerade hell genug, um von außen einen Eindringling entdecken zu können, und so dauerte es ein paar Sekunden, bis sie Einzelheiten erkennen konnte.
"Nun?", fragte Fred, eine winzige Spur Ungeduld in der Stimme.
"Alles in Ordnung."
"Fein. Dann können wir ja gehen ..."
Marlene schwankte. Der Tag war lang gewesen, und sie sehnte sich nach ihrem Bett. Aber dann siegte die Pflicht.
"Komm, ich möchte noch den Nebeneingang überprüfen. Undenkbar, wenn so kurz vor Schluss noch etwas passierte."
"Ich weiß nicht", widersprach er. "Was soll schon passieren? Wir sind hier nicht in der Großstadt."
Aber Marlene Tote streckte schon die Hand aus, und er zog die Taschenlampe aus dem Mantel. Sie schaltete das Gerät ein und kletterte die schmale Treppe hinunter. Unten führte eine gepflasterte Zufahrt zu dem Seiteneingang, der von der Straße aus nicht zu sehen war. Dorthin würden nicht nur die Lieferwagen der Lebensmittelhändler rollen, sondern auch jene schwarzen Spezialfahrzeuge, in denen die ehemaligen Hausbewohner ihre letzte Fahrt antreten würden.
"Alfred!", rief Marlene jetzt. "Alfred, komm sofort!"
Im Laufschritt nahm er die Treppe und folgte seinem Weib. Zehn Meter rannte er die Hauswand entlang - und dann sah er es auch. Marlene stand mitten in der Zufahrt und starrte auf etwas Helles. Dicht vor dem Nebeneingang stand ein weißer Kleinwagen, die Fahrertür weit geöffnet.
"Was soll denn der Wagen hier?", fragte er. "Wem gehört er überhaupt?"
"Das fragst du noch?", kreischte Marlene und richtete den Lichtkegel der Taschenlampe etwas höher. Jetzt erkannte auch Fred Tote, was seine Frau schon gesehen hatte: auf dem Türblech prangten ein X-förmiges Kreuz und eine leuchtende Sonne.
"Was will denn die Bollmann hier?", fragte er. "Die müsste doch auf Pflegetour sein."
"Weiß ich doch nicht!", flüsterte Marlene und setzte sich in Bewegung. Sie zog ihren Mann mit, bis sie beide in das Wageninnere sehen konnten. Dann hob sie die Lampe und leuchtete hinein.
Gebannt starrte Fred auf die tote Frau. Während ihre Beine halb aus dem Wagen ragten, lag ihr Oberkörper quer über den Vordersitzen. Ihre Bluse war zerfetzt, der Unterkörper nackt. Das Rotweingesicht brauchte gar nicht erst näher heranzutreten, um zu wissen, was es noch zu sehen gab: drei Stiche in der Brust.
"Mein Gott", sagte er. "Wie konnte uns die Schlampe das antun?"

 
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