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| Der Witwenschüttler |
Kriminalroman von Leo P. Ard & Reinhard Junge Dortmund 1994 4. Aufl. 1998 308 Seiten 9,40 Euro (Grafit-Verlag) Inhalt: Doppelmord in Recklinghausen: der Umweltminister von NRW wird in der Wohnung seiner Geliebten erschossen: privater Racheakt oder politischer Terrorismus? Als Hauptkommissar Lohkamp eine erste Spur gefunden hat, nimmt ihm sein früherer Chef vom BKA den Fall aus der Hand. Und mittendrin recherchieren die "Witwenschüttler" der BLUT-Zeitung und des lokalen Radiosenders, Privatdetektiv Wolli Schröder und das Dortmunder Video-Team PEGASUS - mal gemeinsam, aber meistens gegeneinander ... Rezensionen: Mit Witz und Ironie - begleitet von bissiger Politsatire - wird der Leser ... in temporeicher Manier durch das Ruhrgebiet gescheucht: Spannend ist's - und amüsant sowieso. RECKLINGHÄUSER ZEITUNG In bewährter Tonart schreibt das Autorenduo wieder entlang einer Realität, die manchmal ganz hart an der Wirklichkeit ist. WAZ, Dortmund Mit viel Witz und leisem Zynismus wird die ... Handlung vorangetrieben. GIESSENER ANZEIGER Im gleichen Verlag wie Kehrer sind die Großmeister des Regionalkrimis Leo P. Ard und Reinhard Junge zu Hause, deren Reihe um Das Ekel von Datteln schon Kultstatus genießt. Das neueste Opus ist ein manchmal grotesk überzeichnender, meist aber herzhaft realistischer Politkrimi mit viel Lokalkolorit. JOURNAL FRANKFURT Die Schauplätze ... werden so detailliert beschrieben, dass der Roman fast schon in jedes Handschuhfach gehört ... FUNK IM VEST, Recklinghausen Politikverdrossenheit und Sensationsjagd - herzerfrischend, spannend und witzig. FRANKEN-FERNSEHEN Leseprobe: "Scheiße", schrie Mager und trat heftig auf die Bremse. Der Wagen schlingerte und brach heftig nach links aus, doch dann hatte der Kameramann den roten T 34 wieder im Griff. Als er endlich stand, parkte dicht vor der Motorhaube ein Rentner. Er war groß genug, dass sich ein Zwergpudel hinter ihm verstecken konnte, und starrte die Insassen des Ladas aus grünen Katzenaugen an. Offenbar hatte das Kerlchen gar nicht begriffen, wie knapp es dem Kollegen mit der Sense entkommen war. "Mensch, Mager", seufzte Saale. "Meinst du, die Knappschaft zahlt dir für jeden Rentner eine Prämie?" Mager zog die Füllung seines Riechorgans nach oben und hob die linke Hand zu einer beruhigenden Geste, die man - völlig zu Unrecht übrigens - für eine Entschuldigung halten konnte. Da drehte der Gartenzwerg ab und vollendete, langsam schlurfend, seinen Weg über die B 235. Von der sicheren Bordsteinkante aus sah er sich noch einmal um. Etwas Lauerndes lag in dieser Bewegung, und der Besatzung des Lada kam dieser Mann plötzlich sehr bekannt vor. "Hör mal", flüsterte Saale. "Das ist doch ..." "Roggenkemper!", schrie Mager. Ein paar Herzschläge lang sahen sie ihrem Lieblingsfeind hinterher. Nichts an dieser Jammergestalt erinnerte mehr daran, dass er als Bürgermeister von Datteln zwei Jahrzehnte wie ein Kanalvogt über seine Untertanen geherrscht hatte: mit Zuckerwatte für die Schleimer und Giftpfeilen für die Bösen. "Der sieht ja völlig fertig aus!", meinte Saale. "Unser bester Abschuss", grinste Mager. "Schade eigentlich, dass der Lada so gute Bremsen hat." Während er den abgewürgten Motor wieder anwarf, schüttelte Saale den Kopf: "Mensch, eines Tages sind wir selber ..." "Hast du etwa Mitleid?" "Du nicht?" "Mit dem da?", empörte sich Mager. "Kumpel!", stöhnte Saale und versuchte es mit Magers Lieblingsdichter. "Selbst der alte Heine sagt, man müsse seinen Feinden verzeihen." "Stimmt schon", grinste Mager und hämmerte den ersten Gang in das Getriebe. "Aber der Satz geht weiter." "Und wie?" Mager fletschte die Zähne: "... aber nicht früher, als bis sie am Galgen hängen!" Im Vorüberfahren streckte er den Arm aus dem Seitenfenster und zeigte dem Rentner seinen erhobenen Mittelfinger. "Ich finde dich zum Kotzen!", verriet Saale. "Lange ..." Es knisterte im Empfänger, und der Polizeifunk ertönte. Eine hektische Stimme meldete im Klartext: "Hier Hertha 11/25. Leute, wir haben einen Doppelmord!" zurück zur Übersicht... |