Krimis
Meine Niere, deine Niere
Kriminalroman von Leo P. Ard & Reinhard Junge
Dortmund 1992
5. Aufl. 2000
256 Seiten
8,90 Euro
(Grafit-Verlag)

1992 für den "Glauser" nominiert


Inhalt:

Auf einem Zechengelände in Recklinghausen liegt eine skelettierte Leiche - für Hauptkommissar Lohkamp und seine Truppe ein fast unlösbarer Fall. Zur selben Zeit verschwindet in Hattingen ein Asylbewerber aus Kurdistan. Als er wieder auftaucht, fehlt ihm ein wichtiges Organ. Erst dem Video-Team PEGASUS gelingt es, den seidenen Faden zwischen beiden Fällen zu entdecken ...

Rezensionen:

Ein starkes Stück Deutschland, im bewährt ironischen Stil in fast epischer Breite...
STADTBLATT, Münster

Ob Wohnungsbauspekulanten oder Stadtplaner - in Randbemerkungen gießen die beiden (Autoren) Hohn und Spott über solche Erscheinungen. Doch nicht nur flapsige Sprüche machen den Wert der 'Niere' aus. Ard und Junge beherrschen auch die Kunst, durch Verflechtung von ganz unterschiedlichen Handlungssträngen Spannung zu erzeugen ...
Kay Gropp, WDR 5

Der Tag war stressig, morgen früh ist Aufstehen um sieben angesagt - das reicht vielleicht für ein paar Seiten, aber doch nicht, um einen ganzen Mord aufzuklären ... Ein paar Stunden später ist die Leserin eines Besseren belehrt: Leo P. Ard und Reinhard Junge haben gewonnen. Irgendwo zwischen Seite 50 und 60 war der Punkt, aufzuhören, überschritten ...
Simone Kosog, WAZ, Bochum

PEGASUS, das sagenhafte Filmteam aus Lütgendortmund, hat wieder einen heißen Fall. Und der Dortmunder Krimi-Verlag GRAFIT hat wieder ein heißes Buch. Das hat einen flotten Titel, einen ernsten Hintergrund - und ein erfolggewohntes Schreiber-Team ...
Rainer Wanzelius, WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU, Dortmund

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite ...
Peter Mohr, STADTSPIEGEL, Wattenscheid

...komplex angelegt, aber doch in sich stimmig. Ein aktuelles und sozialkritisches Buch abseits der ausgetretenen Pfade des klassischen Kriminalromans. Empfehlenswert.
DER EVANGELISCHE BUCHBERATER

Leseprobe:

"Ganz ruhig, mein Söhnchen", sagte Polizeihauptmeister Lusebrink und warf sich eine Handvoll Gummibärchen zwischen die mächtigen Kinnladen. "Wir tun nur unsere Pflicht!"
Mager schwieg und war ruhig
. Lusebrinks Gefährte Haggeney hatte ihn in der üblichen Spreizhaltung an die Wand des Mordzimmers genagelt und schob Mager nun, um sein T-Shirt besser nach Waffen absuchen zu können, von hinten das Knie in die Weichteile. Jede falsche Bewegung des Verdächtigen hätte eine Katastrophe ausgelöst.
"Böse Sache das, Söhnchen!", fand Lusebrink. Er stand jetzt über der Leiche, meuchelte die nächste Generation Gummitiere und repetierte laut die Dienstanweisungen für Sofortmaßnahmen am Tatort. Er tat das so salbungsvoll und engagiert, dass der zuständige Gerichtsmediziner die weißlichen Spuren auf Pelsters Gesicht zunächst für Bullensperma, dann für die Heckausscheidungen von Killerbienen und schließlich für Hundespeichel hielt.
"Fassen wir zusammen", grunzte Lusebrink, "niemals darf man unbefugt einen Tatort betreten. Und warum?"
Mit der Schuhspitze hob er das rechte Bein des Toten und ließ es wieder zu Boden fallen - die Leichenstarre hatte, wie er nicht zu Unrecht schloss, noch nicht eingesetzt.
"Ganz einfach: weil wir damit den Kollegen von der Kripo die Arbeit erschweren!"
Er bückte sich, tauchte seinen Finger in das rote Rinnsal auf Pelsters Wange und betrachtete mit Abscheu das Resultat. Wieder in der Senkrechten, latschte er auf Mager zu, packte seinen Nacken und pflückte ihn von der Wand. "Verstanden, mein Sohn?"
"Verstanden", sagte Mager und spürte etwas Nasses, Klebriges hinter seinem rechten Ohr. Vorsichtig hob er die Hand und tastete nach der verdächtigen Stelle. Als er das Blut des Toten auf seiner Fingerkuppe sah, sackten ihm die Knie weg.
"Bleib bei mir, Söhnchen", forderte Lusebrink und zog ihn wieder hoch. "So ist es besser."
Mit seinem mächtigen Schädel deutete er zu dem stummen Zeugen der Unterhaltung: "Eine Leiche, eine Knarre und ein Mann mit dem Blut des Toten an den Fingern. Erzähl mir mal, was du angeblich hier gewollt hast ..."
Verbissen schweigend starrte Mager seinen Geiselnehmer an. Lusebrink war fett wie eine Pommesbude, und wer ihm ein Mal begegnet war, vergaß ihn nicht mehr. Mager gehörte zu den wenigen Auserwählten, die dem Polizeihauptmeister zwei Mal über den Weg gelaufen waren - und ein Mal unter Umständen, die kaum dazu geeignet schienen, sie den Enkeln am Kamin als Heldensaga zu verkaufen.
Auch Lusebrink schien sich dumpf an ein besonderes Vorkommnis zu erinnern. Er kniff seine Augen zusammen, musterte Mager und begann zu grübeln. Der Kameramann foffte inbrünstig, dass die Mordkommission erschien, bevor die Pommesbude mit dieser harten Arbeit fertig war.
"Ruhrbrücke!", strahlte Lusebrink plötzlich. "Die rote Russenschleuder. Überhöhte Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer. Stimmt's, mein Söhnchen?"
Es stimmte.

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