Krimis
Klassenfahrt
Kriminalroman von Reinhard Junge
Dortmund 1985
12. Aufl. 1999
181 Seiten
7,90 Euro
(Grafit-Verlag)

1987 ins Russische übersetzt
1991 im Auftrag des Kulturamtes der Stadt Hagen und des Kultusministers NRW von Holger Scharnberg als Rockkrimi inszeniert. Musik: "Synchron", Hagen
Unterrichtsmaterialien von Dr. Klaus Busse in: "Praxis Schule 5-10", Westermann Schulbuchverlag, Braunschweig, Heft 3 (Juni) 1992, Sn. 35 & 36, 41 & 42, 54-56 (Kein Download, sondern
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Inhalt:

Schüsse an der belgisch-deutschen Grenze bei Aachen: es gibt Tote und Verwundete, aber die Terroristen entkommen in Richtung Westfalen. Während das Bundeskriminalamt die Ermittlungen aufnimmt, startet in Hattingen die 10. Klasse einer Realschule zur Abschlussfahrt an den Möhnesee. Dort gerät der Schüler Yilmaz in Lebensgefahr - und Hauptkommissar Lohkamp erkennt zu spät, um was geht.

Rezensionen:

Vor dem Hintergrund der rechtsradikalen Terrorszene spielt sich das Drama um den Türken Yilmaz ab, der auf einem Ausflug mit seiner Klasse plötzlich verschwindet. Mit seiner Kritik an gesellschaftlichen Bedingungen hält Junge nicht zurück. Dass dabei eine gut lesbare Story zustande kommt, liegt gewiss an der Detailtreue Junges. Die Klassenfahrt wird zu einer Reise durchs Revier. Junge erweist sich da als ein Kenner.
WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE

Spannend und aktionsreich ...
AACHENER NACHRICHTEN

... im Stil eines Jugendkrimis verfasst, richtet sich Klassenfahrt vor allem gegen Ausländerfeindlichkeit und Verharmlosung des Rechtsextremismus. Der multiperspektivisch und spannend erzählte Fall kann nur mit Hilfe einer Schulklasse geklärt werden.
NDR

Junge ist es gelungen, das Problem Neonazis und Terrorismus von rechts in eine spannende Kriminalstory einzubauen. - Empfohlen. EKZ-INFORMATIONSDIENST

Es macht den Reiz dieses Krimis aus, dass er in hiesigem Milieu spielt.
COOLIBRI, Bochum

... besitzt (der Autor) ein ausgezeichnetes Gespür, die handelnden Personen treffend zu charakterisieren. Spannend ist der Roman auf jeden Fall zu lesen, die Auflösung sorgt für eine Überraschung und die Täter werden gefasst - mehr kann man von einem Krimi nicht verlangen.
MITTENDRIN, Zeitung des DJH
 
Leseprobe:

Mit zusammengepressten Hacken und hochgereckten Kinnladen standen Lusebrink und Haggeney seit fünf Minuten vor dem Schreibtisch ihres stellvertretenden Dienststellenleiters stramm. Denn hinter dem vertrauten Möbelstück saß jetzt nicht ihr alter Skatkumpel Emil Westerkotte, sondern ein fremder Bulle in Zivil, der sie nach allen Regeln der Kunst absaute.
"Sagt mal", erkundigte sich der Unbekannte, "wie lange seid ihr Pfeifen eigentlich schon dabei?"
"Och", druckste Lusebrink herum, schluckte vorsichtig ein grünes Gummibärchen herunter und rechnete in Gedanken nach, "neunzehn Jahre und vier Monate ..."
Die kalten, grauen Augen des Fremden richteten sich nun auf Karl-Heinz Haggeney, den man im Trainingsanzug direkt aus seinem Kaninchenstall zur Wache geholt hatte: "Und Sie?"
"Neun Jahre, Herr, Herr ...", antwortete Haggeney, zum Schluss ratlos verstummend.
"Donnerwetter!" In gespieltem Erstaunen hieb der Fremde auf die Schreibtischplatte. "Da habt ihr beiden es in fast dreißig Dienstjahren auf zusammen drei Beförderungen gebracht. Respekt. Kamen, das Karrieren-Katapult - ja?"
Lusebrink glotzte den Grauäugigen finster an.
"Sagen Sie, Lusebrink", begann der wieder und lächelte dabei zum ersten Mal. "Dass Sie sich die Hose zumachen müssen, wenn Sie vom Klo kommen - das haben Sie doch gelernt?"
Lusebrink nickte unwillkürlich.
"Aha", meinte der Fremde befriedigt und brüllte plötzlich los: "Aber dass man sich von einem fremden Fahrzeugführer unbedingt und unter allen Umständen die Papiere zeigen lassen muss - das hat euch Torfköpfen in 28 Jahren und vier Monaten noch keiner beigebracht?"
Karl-Heinz Haggeney versuchte, seinen Streifenführer zu entlasten. "Wissen Sie", stieß er trotzig hervor, "der Typ sah völlig harmlos aus, ich habe einen Blick dafür."
"Harmlos? Der harmlose Mensch hat heute Morgen drei Kollegen kaltschnäuzig umgenietet! Und ihr Arschgeigen lasst ihn laufen!"
Beim dritten Wort des letzten Satzes war Ahlke, der am Fenster stand, merklich zusammengezuckt. Warum hilft der uns nicht, fragte sich Lusebrink gequält.
"Dorfbullen!"
Pusch winkte resigniert ab, stieß pfeifend einen halben Kubikmeter Luft aus den Lungenflügeln und sagte leise: "Nun wollen wir mal sehen, ob ihr wenigstens Augen im Kopf habt!"
Er drückte die Aufnahmetasten eines Cassettenrecorders und winkte Lusebrink heran: "Wie sah der harmlose Typ aus?"
Stotternd gab Lusebrink seine Beobachtungen zu Protokoll. Anschließend war die Reihe an Haggeney. Beide antworteten nach bestem Wissen und Gewissen.
Ahlke hatte zu Beginn der Befragung einen Notizblock gezückt und eifrig mitgeschrieben. Jetzt reichte er Pusch einen sauber ausgefüllten Stichwortzettel.

Täterbeschreibung von Gustav Lusebrink von Karl-Heinz Haggeney
Alter 22-25 J. ca. 30 J.
Größe 1,80 . 1,85 max. 1,75
Figur schlank kräftig
Haarfarbe blond schwarz
Gesicht länglich oval
Augen grün zwei
Sprache deutlich Deutsch
Kleidung Kittel, grau
Hose, braun
Turnschuhe
Kittel, weiß
Jeans, blau
Stiefel, schwarz
Kennzeichen Narbe am Kinn Farbeimer in der Hand

Nachdenklich blickte Pusch auf das Blatt. Dann winkte er die beiden heran und drehte den Zettel herum, so dass sie ihn lesen konnten. Haggeney bewegte dabei stumm die Lippen und fuhr mit dem Zeigefinger die Zeilen entlang.
"Nach welchem von den beiden sollen wir denn nun fahnden?", fragte Pusch.
Betretenes Schweigen.
Schließlich wies der kriminalrat zur Tür: "Ihr könnt euch drüben einen schönen Abend machen. Da sitzt ein Onkel und zeigt euch Bilderbücher."
Lusebrinks finstere Miene lockerte sich - er witterte Erlösung.
"Und noch was! Die Sache hat ein Nachspiel. Wundert euch nicht, wenn ihr demnächst in Krauthausen eure Runden dreht. Ab!"
Erleichtert schloss Lusebrink hinter sich die Tür.
Krauthausen, dachte er. Ob es so eine Stadt wirklich gibt?

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