1. Das Sündenregister 

1946: 
Erstmals urkundlich erwähnt: im Dortmunder Geburtenregister 

1957: 
Per aspera ad astra: zu neun Jahren Latein verdonnert 

1962: 
Den Frust kompensiert: erste Satiren für die Schülerzeitung 

1963:
Sitzstreik auf der "Kö" = eine Nacht im Polizeigewahrsam Düsseldorf 

1965:
Erster Versuch eines Romans. Mein bester Kumpel Reinhard F. nach der Lektüre der
ersten 88 Seiten: "Wenn ich der Bruder dieses Mädchens wäre, würde ich dir was
in die Schnauze hauen." Aus Gründen des Zahnerhaltes Einstellung der Produktion. 

1966: 
Vernichtende Lehrerurteile ("R. ist faul und undiszipliniert"), eine Sechs in Mathe 
- aber Abitur und ein erstes Semester in Bochum 

1967:
Statt in die Korrektionsanstalt zur Bundeswehr 

1968:
"Bild" blockiert, gegen Notstandsgesetze protestiert,  Borchert zitiert: 14 Tage Bundes-
wehr-Arrest. Danach
Buße in Bochum: Germanistik-Studium an der Ruhr-Universität

1971:
Erste Memoiren: Barras-Report. Tagebuch einer Dienstzeit 

1974:
Fast den "Werkkreis Literatur der Arbeitswelt" ruiniert: Co-Produktion an einem 
Protokoll über den großen Hoesch-Streik, das aber nie erschienen ist... 

1978:
Mit Jürgen Pomorin auf heißen Spuren:  das erste von vier Reportagebüchern
über Die Neonazis. - Fast gleichzeitig
Berufsverbot: Für die SPD-Landesregierung
war manches Parteimitgliedsbuch zu rot.  

1979:
Dank großer Solidarität aus dem In- und Ausland und deshalb, weil sich ein Minister
und ein Schulleiter für ihre Parteiführung schämten: Pauker in Wattenscheid.
 

1985:
Die finstere Neigung bricht sich Bahn: Eine Klassenfahrt wird Kriminalroman. 

1986:
In der Dortmund Bonner Roulette gespielt - der erste Krimi im Team mit Leo P. Ard. 
Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich: Jürgen Pomorin 

1988:
Panik am Dortmund-Ems-Kanal: Ard / Junge erfinden PEGASUS und Das Ekel von Datteln 

1989:
Wenn Lehrer morden, wird eine Planstelle frei 35 Seiten in der ersten Grafit-Anthologie
Die Meute von Hörde 



1990:
Ard, Junge und PEGASUS in Gefahr: Das Ekel schlägt zurück für einen Rezensenten der
WAZ der "Kriminaltango des Reviers" 

1991:
Ard & Junge halten sich wieder einmal streng an die Unwahrheit:  PEGASUS verfolgt Die
Waffen des Ekels
von Datteln bis Bangkok. Und "Klassenfahrt" wird zu einem Rock-Krimi -
mit Musik von "Synchron" (Hohenlimburg). Regie: Holger Scharnberg

1992:
Ard & Junge verlieren ihren besten PR-Mann:  Der real existierende Bürgermeister von
Datteln tritt entnervt ab. Und sein fiktiver Amtsbruder kann endlich in den Ruhestand.  

Wenn Männer morden, heißt es: Good bye, Brunhilde Titelstory für zwei Dutzend
böser Kriminalgeschichten 

Ard & Junge streiten sich um Meine Niere - deine Niere

1994:
Junge schickt Die Schlange los - im Sammelband  Der Mörder schwänzt den Unterricht 

1995:
Ard & Junge brauchen drei Jahre für 308 Seiten:  Dann nervt Der Witwenschüttler das
PEGASUS -Team und tröstet Klaus-Ulrich Magers Ex. 

1996: 
Leo P. Ards "Balko" macht bei RTL Furore - und Junge mordet im Alleingang weiter.
PEGASUS findet in Datteln ein Totes Kreuz 

1998:
Polizisten, Punks und PEGASUS:  Bochum feiert ein tödliches Straßenfest.

2002:
Zweite Amtsperiode als Ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Bochum.

Das Westfälische Literaturbüro Unna stiftet zum Mord am Hellweg an. Ein Beitrag der
Anthologie stammt von R. Junge: Löhnen in Bönen.


PEGASUS und Hauptkommissar Lohkamp sind wieder im Einsatz: Unbekannte verpassen
Ruhrgebiets-Faschos einen mörderischen Glatzenschnitt.


2004:
Stöhnen in Böhnen
heißt Junges Beitrag zu "Mehr Morde am Hellweg".

2009:
Ard & Junge würdigen die Kulturhauptstadt Ruhr: Renovierte alte und viele neue Storys
in "Mordsschnellweg". 

2011:
Die Welt wartet auf "Achsenbruch" - Junge auch. Er ist bald 65 und nicht mehr so frisch
wie einst, als er nach den Kommentaren in 10 Deutschheften nachts noch vier Seiten 
Krimi schreiben konnte. 

(Alle hier hier genannten Krimis gibt es in Dortmund bei: GRAFIT. Weitere Storys bei
"Leporello", "Klartext" und im "Verlag Ralf Liebe")


2. Beliebte Fragen & Antworten



1. Warum schreiben Sie?
Weil ich nicht Gitarre spielen kann.

2. Warum schreiben Sie ausgerechnet Krimis?
Böse Zungen behaupten, das Schreiben von Krimis wäre der Ausgleich dafür, dass wir Lehrer die
Schüler nicht mehr verhauen dürfen. Die Wahrheit ist noch brutaler: Meine Gedichte sind so
schlecht, dass man sie niemandem zeigen darf.

3. Seit wann schreiben Sie?
Seit wir in der "Volksschule" Aufsätze schreiben mussten. Leider ist mein Erstlingswerk nicht
erhalten: die Schilderung eines Klassenausflugs, bei dem die Schüler/innen ihre Pauker/innen
in Ohnmacht und Wahnsinn treiben. Der Text fiel derart aus dem Rahmen, dass ich deshalb zum
Rektor musste. Nach dem Gespräch prophezeite er mir eine Karriere als Volksredner und lag 
damit gar nicht so schief: Lehrer ist so etwas Ähnliches.  

 
4. Wie kamen Sie nun wirklich zum Schreiben von Krimis?
Als die vier Reportagen über "Die Neonazis" erschienen waren, wollte unser damaliger Verlag 
sozialkritische Krimis herausbringen und suchte Autoren. Jürgen Pomorin (alias Leo P. Ard),
Werner Schmitz und ich wurden gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, Krimis zu schreiben.
Konnten wir. Und waren in der glücklichen Lage, mit unseren Erstlingswerken nicht Dutzende
Verlage abklappern zu müssen, sondern hatten beim Schreiben bereits einen Abnehmer. 
Rutger Booß, bei "Weltkreis" noch Lektor unserer Bücher, kaufte die kleine Krimireihe vier Jahre
später aus der Konkursmasse des Verlags auf und nahm uns mit zu GRAFIT.


5. Warum greifen Sie so oft politische Themen auf?
Der arme Kerl aus Schalke, der sich nach dem letzten Spieltag aus Frust besäuft, mit 2 Promille
seine schimpfende Frau erschlägt und heulend neben der Leiche aufwacht - der ist nicht mein
Thema, den bestraft schon die Justiz. Ich möchte lieber jene Großkotze vorführen, die Geld
und Macht für eine Freispruch-Garantie halten. Aus juristischen Gründen heißen sie aber im
Roman anders als in der Wirklichkeit - nachzulesen u.a. im "Bonner Roulette" und den drei Krimis
um "Das Ekel von Datteln".


6.a. Gibt es für Ihre Figuren reale Vorbilder?
Fast immer. Aber beim Schreiben lösen sich die geklonten Figuren von ihrer DNA und entwickeln
ein erstaunliches Eigenleben - ein Umstand, den nur ein paar Anwälte für bedauerlich halten. 

6.b. Sind Sie Klaus-Ulrich Mager?
Glauben Sie das etwa? Schade, denn ich dachte, es gäbe nur ein paar äußerliche Ähnlichkeiten.
Wie es dazu kam, ist leicht erklärt: Als Leo P. Ard und ich "Das Ekel von Datteln" schrieben,
waren wir zu sehr im Stress, um für das gerade geborene PEGASUS-TEAM auch noch Figurenprofile
zu erarbeiten. Der Einfachheit halber sah Saale so aus wie Leo und Mager so ähnlich wie ich.
Leider führte das in der Folgezeit zu unangenehmen Verwechslungen ...


7.Was ist zuerst da: Tatort, Motiv oder Täter?
Jeder Krimi hat eine andere Entstehungsgeschichte. So las ich 1985 in einem holländischen
Reisemagazin, dass auf der Insel Vlieland seit 1806 kein Mord mehr geschehen sei. Ich
empfand das als Provokation und beschrieb sofort den Mord an einer deutschen Touristin.
Erst drei Jahre später konnten Leo P. Ard und ich die Szene verwenden - als erstes Kapitel
für "Das Ekel von Datteln". 

Oder: "Aktenzeichen XY" reportierte zur gleichen Zeit den Fund einer skelettierten Leiche,
unter der ein geheimnisvolles Notizbuch lag: Der Mann hatte auf einer Reise Geld eingetrieben,
aber niemand wusste, wer sich z.B. hinter "R.J. aus Bochum" verbarg und wofür der Kerl zahlte.
Leo P. Ard und ich haben das Rätsel auf unsere Weise gelöst: Jahre später in dem Roman
Meine Niere - deine Niere".

Oder: Am Tag, als Lady Di beerdigt wurde, jagten Bochumer Polizisten grundlos eine Gruppe
junger Punker durch die Stadt und nahmen viele von ihnen fest. Ich fand das so empörend,
dass ich die Story weiter spann: Was, wenn einer der Punks am nächsten Morgen tot in einem
Gebüsch lag? Nachzulesen im "Straßenfest". 


8. Halten Sie Ihre Schilderungen der Polizeiarbeit für realistisch?
Weitgehend. Leider zeigt sich die deutsche Polizei bei Recherchen nicht immer sehr kooperativ -
im Gegensatz etwa zur Rijkspolitie in den Niederlanden. Wenn man dann drei normale Polizisten
befragt, bekommt man oft drei verschiedene Antworten. Außerdem muss man auswählen und
verdichten: Ein Krimi zeigt nur einen Ausschnitt aus der Polizeiarbeit. Und eine Mordermittlung
ist Teamarbeit - aber so viele Leute könnte sich kein Leser merken.


9. Lieben Sie die Polizei?
Kann man eine Behörde lieben? Aber es gibt viele Situationen, in denen ich die Anwesenheit von
kompetenten Polizisten sehr schätze. Andererseits fürchte ich einen Missbrauch des Instrumentes
Polizei: wenn sie auf Antifaschisten einprügelt, Neonazismus verharmlost, die Atompolitik der
Bundesregierung mit Knüppeln durchsetzt, Wohnungslose aus den Einkaufszonen vertreibt ... 

10. Wie beurteilen Sie die Zukunft des Kriminalromans?
Die Leute lesen noch. Und der Krimi wird, hoffe ich, die Wirklichkeit überleben.
 


3. Die Bonus-Fragen

11. Wird man durch das Schreiben reich?
Wenn man sich nicht zu oft scheiden lässt ...

12. Das Gesundheitsamt steckt Sie in Quarantäne - was nehmen Sie mit?
Handy, Zigaretten - und alle zehn Krimis von Maj Sjöwall und Per Wahlöö.

13. Sind Sie abergläubisch?
Nächste Frage.

14. Ihr Lieblings-Aphorismus?
"Gott sei Dank, dass ich Atheist bin." (Leider habe ich vergessen, von wem
dieser schöne Satz stammt.)


15. Ihr Lebensmotto?
"Immer wieder aufstehn!" (Herne III)

16. Ihre Vorstellung von Frieden?
Vor dem "Wapen van Veere" Kaffee & Cognac schlürfen, eine Harte rauchen und
Leute gucken: Da ist nie was los, aber immer was zu sehen.



Fotomontage: Martin Krok


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